Von wegen Hundsärsch

01.11.2012, gepostet von Ute,
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Wenn Sie an dieser Stelle riechen könnten, was ich gerade riechen darf
, würde Ihnen wahrscheinlich das Wasser im Mund zusammenlaufen: Der Geruch ist herbstlich, säuerlich, herb. Ein bisschen Süße. Viel Aroma. Ein dunkler, markanter Duft. Sein Ursprung ist auf eine kleine Pyramide runder brauner Früchte zurückzuführen, die zum Zwecke schreiberischer Inspiration auf einem Teller direkt vor der Tastatur aufgebaut ist. Sie würden auch - gesetzt den Fall, Sie trügen einen Hauch kulinarischer Experimentierfreude in sich - beim Anblick dieser goldbraun glänzenden, prallen Dinger (Durchmesser etwa vier Zentimeter) sofort zu überlegen beginnen, was man aus ihnen alles kochen könnte. Gelees und Marmeladen vielleicht oder herbstliche Chutneys, jedenfalls irgendwelche genialen Begleiter für Gänsebraten und ähnliche Deftigkeiten.

Doch zuerst würden Sie einmal vorsichtig kosten: ganz weiches, musiges Fruchtfleisch, süß-säuerlicher Geschmack, sehr frisch das Ganze. Aufpassen, kleine harte Kerne dazwischen. Eher zuzeln als beißen. Bedauerlicherweise ist den wenigsten dieser Genuss beschieden, weil die Mispel, auch Asperl oder Hundsarsch genannt, weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Selbst Leute, in deren alten Gärten noch irgendwo verloren ein paar Mispelbäume vergangener Obstgartenepochen herumstehen, wissen im seltensten Fall, was da wächst. Sie sollten sofort hinauseilen und eine Verkostung vornehmen. Jetzt ist die ideale Zeit dazu. Denn erst im November, Dezember werden die Mispeln reif. Sie zählen damit zu den letzten Früchten des Jahres. Wie die Hetscherln brauchen sie ein, zwei ordentliche Fröste, um weich und süß zu werden. Solange sie noch hart sind, schmecken sie grauenvoll. So, dass es einem, wie der Volksmund zu sagen pflegt, das Hemad hinten hineinzieht. Erst batzweich werden sie genießbar.