Teekräuter anderer Art

12.12.2016,
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Doch zum Einstieg in die Kräuterterwelt ein Rückblick. Nur als kurzer Schlenker in die Geschichte, damit wir Alten Europäer nicht der Sünde des Hochmuts anheimfallen.


Wenn nun der chinesische Dichter Lo Tung zu Wort kommt, so spricht einer der ersten Teemeister der Geschichte und damit ein Mann des Tees im Sinne der Camelia sinensis. Ich betone das, damit bei den Puristen keine Missverständnisse in Sachen echtem Tee versus Kräutertee aufkommen. Ende des 8. Jahrhunderts besang also besagter Lo Tung den Tee, gebraut aus den getrockneten oder fermentierten Blättern dieser speziellen Kamelienart mit folgenden fein ziselierten Worten:


„Die erste Tasse netzt Lippen und Kehle. Die zweite stärkt das dürr gewordene Fleisch. Die dritte verscheucht die traurige Einsamkeit. Die vierte Tasse durchdringt dein ganzes Inneres. Bei der fünften bist du geläutert. Die sechste ruft dich in die Regionen der Unsterblichkeit. Die siebente Tasse, so du zum Munde führst, lässt frische Lüfte dein Haupt umsäuseln und deinen Geist zum kühnen Fluge sich erheben.“


Das wollen wir auch erleben! Lippen und Kehle netzt bald einer mit so manchem, doch kühne Geistesflüge mit Tee allein erleben, die Regionen der Unsterblichkeit durchschreiten, so ganz ohne Jaga? Das entspricht nicht unserer vergleichsweise ins Barbarische abgeglittenen mitteleuropäischen Tradition.


Als der Teemeister der Tang Dynastie sein Gedicht niederschrieb, war China schon seit 1000 Jahren Kaiserreich. Die Morallehren des Konfuzius hatten bereits über 1300 Jahre Zeit gehabt die chinesische Gesellschaft zu prägen. Die Nachbarn waren im Industal ebenfalls nicht faul unter Mangobäumen herumgelegen, sondern hatten eine Kultur erarbeitet, deren Alter und Dimension sich Archäologen und Historikern gerade erst zu erschließen beginnt.


In Europa hingegen begannen die christlichen Mönche des frühen Mittelalters zu Lo Tungs Zeit gerade eben mit bewundernswerter Konsequenz die gedanklichen Höhenflüge der griechischen Philosophie wieder aus den Pergamenten zu kratzen. Insbesondere die ketzerischen Ideen der Atomisten, die das Universum wenig bibeltreu nicht als Schöpfungsakt, sondern aus kleinen Teilchen zusammengesetzt sahen, mussten dringend zum Teufel geschickt werden, wo sie nach Meinung der Kirche ja auch herkamen.


Nur verschlungenen Umständen ist es zu verdanken, dass wieder ein paar hundert Jahre später einige wenige überlieferte Schriften, die übersehen und nicht vernichtet worden waren, gefunden, gerettet, aufbewahrt und in der Geburtsstunde der Renaissance der Öffentlichkeit überantwortet werden konnten. Gott sei Dank, ist man versucht auszurufen, wenn es nicht exakt um das Gegenteil ginge!


Vom Tee und seiner Herstellung, vom Fermentieren der Kamelienblätter hatte man damals in Europa natürlich noch keine Ahnung. Wohl aber trank man Kräutertees, und dieser lange Einstieg in die wunderbare Welt der aufgebrauten Blätter und Blüten soll lediglich in Erinnerung rufen, dass an vielen Ecken und Enden dieses Globus gewaltige und beeindruckende Kulturen gekommen und gegangen sind, nicht nur hier im alten Europa.

Nur zwei der mehreren tausend Chrysanthemensorten eigenen sich für eine chinesische Kräutertee-Spezialität, bei der man die Blumen im heißen Teewasser aufblühen sieht.

Zurück in China können wir, da echter Tee sehr teuer war, gleich ganz viele Pflanzen studieren, die von den sogenannten einfachen Menschen, also Leuten wie unsereiner, in den Gärten zu diesem Zweck gezogen wurden. Eine davon wird nun ins Rampenlicht gerückt, denn zum einen ist sie eine Besonderheit und möglicherweise nicht vielen von Ihnen bekannt. Zum anderen hat sie in den kühlen Tagen des Herbstes ihren Auftritt: Die Chinesische Teechrysantheme.


Wie alle Chrysanthemen ist auch sie eine der letzten Blumen des Jahres. Die elegante Pflanze ist eine kühle Schönheit, die während der heißen Jahreszeit an schattigem, nicht zu trockenem Standort wächst. Dort sammelt sie mittels ansehnlichem dunkelgrünem Laub Kräfte für den fulminanten Blütenflor.


Nur zwei der tausenden Chrysanthemensorten werden für die Teezubereitung verwendet: Ihre Vermehrung erfolgt vegetativ, also ausschließlich durch Teilung oder Stecklinge und nicht durch Samen. Sollten in Ihrem Garten diverse Chrysanthemen wachsen – kosten Sie sie auf keinen Fall, besorgen Sie sich lieber über den Fachhandel die richtigen Sorten, denn manche sind dem Vernehmen nach leicht giftig.

 

Der Chrysanthementee wird aus den getrockneten Blüten gewonnen und ist, laut Fachliteratur, auch heute noch der beliebteste Kräutertee der südchinesischen Provinzen. Die Blüten werden gesammelt, wenn sie sich gerade geöffnet haben, und sie sollten möglichst schnell, doch nicht zu heiß getrocknet werden. Am besten funktioniert das mit einer Darre mit Temperaturregler.


Beim Trocknen ziehen sich die Blüten wieder knospenartig zusammen, um dann im heißen Wasser nach dem Aufbrühen gewissermaßen wieder aufzublühen, weshalb eine chinesische Kräuterhexe meinte, man dürfe Chrysanthementee immer nur in einem Glas trinken, denn der Anblick der wieder auferstandenen Blüten sei ein nicht unwesentlicher Teil des Genusses. Süßlich, leicht bitter, insgesamt unbeschreiblich wie alle Geschmäcker, so rinnt der Chrysanthementee durch die Kehle.

Ein australisches Samtblattgewächs mit einem unglaublich intensiven zitronig-herben Aroma, das noch kaum jemand kennt, und das einen schier meterhoch überwuchern kann. Eine geniale Pflanze!

Diese hierzulande noch kaum aufzutreibende australische Pflanze ist eine absolute Schönheit. Der Plectranthus „Mount Carbine“ wächst in den feucht-warmen Regionen von Queensland und das sieht man ihm auch an: kräftig, wüchsig, sehr vital. 

 

 ´Die Blätter duften unglaublich intensiv bereits bei der Berührung zitronig-limonig und auch ein bisschen nach Minze, wobei die älteren Blätter ein etwas anderes Aroma haben als die ganz frischen jungen.


Die kräftige Pflanze wird riesengroß, sie muss ständig geschnitten werden, weil sie außerdem noch sehr schnell wächst. Sie verzeiht auch radikalen Rückschnitt bis kurz über dem Boden klaglos, will stets gut düngt werden, sehr hell bis vollsonnig stehen und zwischen den Güssen immer wieder fast gänzlich austrocknen. Überwintert wird in der Wohnung.


Der Plectranthus „Mount Carbine“  ist ein typisches Beispiel für eines dieser herrlich maßlosen Wuchergeschöpfe, die gut gefüttert werden wollen und dann ein bisschen rasten und verdauen müssen, bevor die nächste Orgie losgeht. 


Apropos: Die Blätter, die er aufgrund dieses rasanten Wuchses in großer Menge liefert, fühlen sich nicht nur wunderbar samtig an wie Maulwurfspelze, sie sind auch dermaßen aromatisch, dass selbst kleine Stücke für einen ganzen Teekannenaufguss reichen. Ein ganzes großes Blatt wäre fast zu intensiv für eine normal dimensionierte Kanne.

 

Eine seltsame Eigenschaft sei noch erwähnt: Die Blätter lassen sich kaum trocknen. Die bleiben ewig lang feucht und satt. Keine Ahnung, warum. Ich verwende Sie also immer nur frisch von der Pflanze, es ist mir noch nie gelungen, sie wirklich raschelnd staubtrocken zu kriegen, angesichts des gewaltigen Wachstums bestand allerdings bisher auch noch keine zwingende Notwendigkeit dafür.

Wer sowohl den Geschmack von Minze als auch Zitronenverbene schätzt, sollte sich einen Argentinischen Minzestrauch zulegen, der vereint beides.

Die nächste Station auf der Kräuter-Tee-Reise führt uns in die Neue Welt, und zwar nach Südamerika. Dort gedeiht gleich eine ganze Reihe interessanter Sträucher, deren Blätter und Blüten interessante Kräutertees liefern, und einem von ihnen widmen wir uns heute im Detail. Manche Teespezialisten unter Ihnen werden seine enge Verwandte, die allseits beliebte Zitronenverbene vermutlich kennen und schätzen.


Diese, botanisch Aloysia citrodora genannt, ist ebenfalls eine gebürtige Argentinierin und gewissermaßen die Cousine, wenn nicht die Schwester der Aloysia polystachya, um welchselbige es hier geht: Der Argentinische Minzestrauch ähnelt der Zitronenverbene in Wuchs und Aussehen, hat jedoch wesentlich zierlichere, kleinere Blätter und ein Aroma, das die Verbene noch erahnen lässt, jedoch deutlich ins Minzige schwappt. Vielleicht gibt es dazu auch noch einen Schuss Eukalyptus, so genau lässt sich die Geschmackswelt verbal nie ausloten, am besten, Sie kosten selbst.

Der Argentinische Minzestrauch wird als Pflanze genauso behandelt wie die Zitronenverbene: Im Sommer steht er heiß, sonnig, gut wasserversorgt und gedüngt. Winters bringt man ihn zurückgestutzt ins kühle Winterquartier, das ruhig recht finster sein kann, wenn es kalt genug ist. Die Pflanze treibt im Frühjahr wieder durch, sobald sie in der frostfreien Zeit, wenn nötig umgetopft, wieder ins Freie kommt. Lassen Sie den Wurzelballen nicht ganz austrocknen, halten Sie ihn um Himmels willen aber nicht zu nass.


Die Blätter können den ganzen Sommer über geerntet werden, die Pflanze wächst üppig und schnell und benötigt ohnehin regelmäßigen Rückschnitt, wollen Sie nicht mit langen überhängenden Ranken regelrecht überwuchert werden. Wem der reine Geschmack der Blätter zu herb ist, verwendet sie für Teemischungen. Findige Köche verwenden die getrockneten Delikatessen auch in der feinen Küche als Würze für Desserts, aber auch für ausgefallene Fleischgerichte. 

Grünen Tee mit süßem, schwerem Jasminaroma zu würzen - ja klar, das funktioniert ausgezeichnet, wenn man über eine Echte Jasminpflanze verfügt.

Es gibt so viele Arten von Jasmin im Blumenhandel, dass man den Überblick verlieren kann. Oft sind die angebotenen Pflanzen lediglich mit „Jasmin“ beschriftet, nicht aber mit dem botanischen Namen, was ein großes Übel ist, weil Jasmin allein bedeutet noch gar nichts.


Der Echte Jasmin hat Jasminum officinale zu heißen, wobei der Namenszusatz officinale oder officinalis stets darauf verweist, dass eine Pflanze zu Heilzwecken verwendet wurde oder wird. Von diesem Echten Jasmin gibt es zwar – und das braucht Sie nun nicht zu verwirren - zahllose Sorten, die sich in Aroma und Aussehen etwas voneinander unterscheiden, aber letztlich doch nicht so sehr, dass wir als Laien groß Aufhebens darum machen sollten.


Womit Sie allerdings aufpassen müssen sind die unzähligen falschen Jasmine, die dem echten sehr ähnlich sehen. Wenn Sie sich nun anschicken, Grünen oder vielleicht sogar anderen Tee mit frischen oder getrockneten Jasminblüten zu parfumieren – denn das empfehlen wir heute -  so müssen Sie zuvor sicher sein, dass Sie Echten Jasmin ernten und nicht irgendeinen anderen.


Der Echte Jasmin duftet unerhört. Er blüht das ganze Jahr über an langen Trieben. Täglich stehen an irgendeinem Ende dieser Pflanze Blüten zur Verfügung. Im Winter kommt sie in die Wohnung, was Sie in die luxuriöse Lage versetzt, quasi im Vorübergehen Blüten abzuzupfen und in Ihren Tee zu werfen. Je nach Sorte ist das süße Parfum von unterschiedlicher Intensität. Wer in die Gegend von Grasse in Frankreich kommt, besorgt sich eine der dort kultivierten Varianten, die sind himmlisch intensiv. Doch natürlich tun es alle anderen auch. Die Blüten können frisch oder getrocknet verwendet werden.


Die Pflanze selbst steht sehr hell und eher trocken als feucht. Mittels hoher Luftfeuchte und regelmäßiger Blattgüsse darauf achten, dass nicht die Spinnmilbe das Regiment übernimmt. Sie ist die einzige Gefahr für den drinnen überwinternden Echten Jasmin.

Die Cousine der Pflanze, die den Manuka-Honig liefert, spendet einen sensationellen Kräutertee und wird im englischsprachigen Raum nicht umsonst so hübsch Lemon Scented Tea Tree genannt.

Diese meiner Meinung nach schlichtweg sensationelle Kräuterteepflanze stammt aus Neuseeland und wächst in ihrem Herkunftsgebiet als fünf Meter hoher sperriger Strauch mit stark verzweigten, überhängenden, feinen Ästen. Die Blätter sind klein, länglich, lanzettlich und eher hart. Blüten gibt es auch, sie sind winzig und weiß.

 

Im englischen Sprachraum nennt man die Pflanze Zitronenduftender Teebaum, und mit diesem hübschen Namen ist vieles vorweggenommen, wie der wirklich verführerische zitronig-feine Duft und der ebenso charmante Geschmack. Der botanische Name verrät aber noch mehr:

 

Leptospermum petersonii verweist auf die Zugehörigkeit zu einer Untergattung innerhalb der Familie der Myrtengewächse. Und Leptospermum scoparium, also gewissermaßen eine Cousine dieser Pflanze, ist Ihnen möglicherweise bereits bekannt: Es ist die Neuseelandmyrte, von den Maori Manuka genannt, und somit jene sagenumwitterte Pflanze, die den sündhaft teuren, weil angeblich extrem heilsamen und gesunden Honig spendet. Sie schaut der Zitronenmyrte sehr ähnlich, blüht jedoch rosa.

Sollten Sie die zitronige Myrte im Fachhandel auftreiben, behandeln Sie sie folgendermaßen: Geben Sie ihr sehr viel Licht, doch keine pralle Mittagssonne, lassen Sie sie nie ganz austrocknen, halten Sie die Wurzeln jedoch auch nie staunass. Mittelmäßig düngen, in der Wohnung überwintern. Das letztlich unbeschreibliche zitronig-limonige Aroma verstärkt sich mit dem Trocknen der Blätter erstaunlicherweise noch.


Hierzulande ist die in Australien und Neuseeland verbreitete und beliebte Pflanze noch selten und schwer zu kriegen und wird noch dazu unterschiedlich bezeichnet. Suchen Sie nach dem botanischen Namen Leptospermum petersonii, wobei mitunter auch Leptospermum citratum angegeben wird, nach dem englischen „Lemon Scented Tea Tree“, nach Zitronenmyrte und Zitronenduftendem Teebaum. Kaufen Sie nur die weißblühende Variante – und würzen Sie nicht nur Ihren Tee damit!

Niemals sollen die duftigen grünen Halme vom Zitronengras missachtet und einfach weggeworfen werden, wo sie doch den köstlichsten Tee spendieren.

Freunde der asiatischen Küche kennen und schätzen es natürlich: Das aromatische Zitronengras, das ebenfalls zur Familie der Süßgräser gehört, verleiht Suppen, Curries und anderen Speisen einen ganz charakteristischen Geschmack. Meistens wird jedoch nur der dicke, kräftige untere Teil der Pflanze verwendet, und das ist reine Verschwendung.


Denn das Zitronengras spendet einen köstlichen Tee, der sowohl kalt als auch warm genossen werden kann, je nach Laune und Jahreszeit. Zitronengrasgärtner verwenden dafür die langen Halme, die von der Pflanze im Übermaß produziert werden und etwas weniger, doch immer noch genug Aroma in sich tragen. Ja, auch jetzt im Winter, denn das Zitronengras ist ein Unkraut. Es gedeiht auch in der hellen Wohnung, wenn es einen Sonnenplatz bekommt.


So Sie noch keines hegen und pflegen, machen Sie Folgendes: Kaufen Sie frische Zitronengrasstängel, die möglichst tief geschnitten geerntet wurden. Man erkennt das an einer Verjüngung am unteren Ende. 


Stellen Sie ein paar davon in ein Glas Wasser. Ziemlich sicher bilden sich innerhalb einer Woche Wurzeln. Einsetzen, am besten in einen eher kleinen Topf, hell stellen, nicht austrocknen lassen, aber auch nicht in liebevoller Zuwendung ersäufen.


Sobald sich das Gras auszubreiten beginnt, können Sie aus dem Vollen schöpfen. Die Halme werden, in zentimeterlange Stückchen geschnitten, frisch oder getrocknet aufgebrüht. Der Tee ist in jedem Fall sehr intensiv und aromatisch. Tipp: Versuchen Sie die Kombination mit einer Scheibe frischem Ingwer. Im Sommer kommt das Gras nach Möglichkeit ins Freie, wo es vollsonnig stehend wahrscheinlich den Topf sprengen wird vor lauter Vergnügen, denn es ist, wie gesagt, kaum umzubringen und sehr vital. Gut düngen, hell stellen, nicht übergießen, nicht austrocknen lassen. Übrigens lieben es auch die Katzen, diese Luxustiere, und die wissen bekanntlich immer, was wirklich gut ist.

Das zierliche chinesische Tee-Gewächs Jiaogulan mit seinen sattgrünen fünffingrigen Blättern steht im Ruf, so gesund zu sein wie der berühmte Ginseng.

Vor einigen Jahren war eine Pflanze in Mode, die im Ruf stand, mindestens so gesund zu sein wie der berühmte Ginseng, weshalb sie hierzulande unter dem etwas marktschreierischen Namen „Kraut der Unsterblichkeit“ vertrieben wurde. Ihre botanische Bezeichnung lautet Gynostemma pentaphylla, in China, woher sie stammt, nennt man sie Xiancao, in Japan, wo man sie ebenfalls schätzt, Jiaogulan.


Zwischenzeitlich ist die Jiaogulan-Mode, wie das so mit Moden geht, wieder abgeflaut. Doch die extrem schnell wachsende, hübsche Pflanze sollte nicht ganz in Vergessenheit geraten. Denn man sagt ihr nach, ein tägliches Tässchen Tee, aufgebrüht aus den frischen Blättern, senke Blutdruck und Cholesterinspiegel, verhindere Krebs und stärke das Immunsystem, fördere Stoffwechselvorgänge und sorge für gesegnete Nachtruhe.


In Südchina, wo das Kraut der Unsterblichkeit herkommt und dem Vernehmen nach in reichen Mengen genossen wird, werden die Leute angeblich der Reihe nach über hundert Jahre alt. Ob das nun am dort beliebten Xianaco-Tee liegt, sei dahingestellt. Jedenfalls schmeckt das hellgrüne, zarte Gebräu ziemlich gut: Fein, nicht aufdringlich, ideal für zwischendurch.


Das Kraut der Unsterblichkeit gehört zur Familie der Kürbisgewächse und treibt bis zu sechs Meter lange Triebe. Das geht sehr schnell, die Pflanze wächst in Windeseile und überrankt rasch ganze Blumenampeln, Vorhangstangen und andere sich bietende Kletterhilfen. Jiaogulan mag es sehr hell, aber nicht zu sonnig. Zu viel Besonnung wird mit weißen Flecken auf den Blättern bestraft.


Die Pflanze kann sowohl kletternd als auch hängend in einer Ampel oder auf einem Kasten stehend gezogen werden, was erntetechnisch praktisch ist. Sie wächst, was weniger bekannt ist, auch tadellos im Garten, denn sie ist winterhart bis minus 18 Grad und treibt im Frühjahr wieder aus. Gegossen wird da wie dort erst dann, wenn das Substrat bereits wieder abgetrocknet ist.

Sowohl die scharfen Rhizome als auch die würzigen Blätter des Ingwers sind einen Tee-Versuch wert. Die scharfe Wärme der hervorragenden Wurzel ist vor allem im Winter höchst angenehm und bekömmlich.

Klar, man bekommt Ingwerwurzeln jederzeit auch frisch zu kaufen, doch die sind nur der halbe Spaß. Denn die südostasiatische Delikatesse und Medizinpflanze selbst zu ziehen ist auf jeden Fall einen Versuch wert, und der gelingt so gut wie immer. Jetzt im Dezember ist die beste Zeit um damit zu beginnen, denn die Reifedauer beträgt an die 250 Tage. Besorgen Sie sich möglichst frische Rhizome, suchen Sie diejenigen mit den meisten Augen, also Knospen aus und setzen Sie sie in nicht zu tiefe, eher breite Gefäße.


Das Substrat sollte ein bisschen sandig sein, denn der Ingwer verträgt zwar viel Wasser, will aber zwischendurch schnell wieder austrocknen. Anfangs tut ihm die feuchtwarme Luft eines Fensterbrett-Glashäuschens gut. Man kann aber genauso gut eine Haube aus einem Plastiksack oder eine Duschhaube über den Topf stülpen. Wärme ist ebenso unerlässlich wie Geduld, denn manchmal dauert es viele Wochen, bis die ersten spitzen Ingwerblätter auftauchen.


Ingwer braucht viel Sonne und will auf keinen Fall je staunass oder zu kühl stehen. Mit Glück, das mir jedoch zugegebenermaßen noch nie beschieden war, bringen Sie ihn sogar zur Blüte, und die ist sehr ansehnlich. Im Sommer kann die Pflanze ins Freie wandern, im Herbst, wenn die Blätter vergilben, werden superzarte, frische Rhizome geerntet, wie man sie niemals im Handel zu kaufen bekommt. Die jungen Wurzeln schmecken wesentlich feiner und sanfter als die älteren faserig-holzigen.


Ingwertee soll wärmend wirken, schmeckt vor allem jedoch ausgezeichnet, insbesondere, wenn er mit ein paar aromatischen getrockneten Damaszener-Rosenknospen aufgepeppt wird. Aufgebrüht werden nur ein paar dünne Scheibchen der frischen Rhizome. Nicht übertreiben – die Pflanze ist bekanntlich extrem aromatisch. Auch die Blätter können zu Tee verkocht oder fein geschnipselt als Suppen- und Curry-Gewürz eingesetzt werden. Ihr Aroma ist feiner, zarter und jedenfalls eine interessante Ergänzung für jede Gewürzküche. 

Kräuter, Blätter, Blüten

 

Fortsetzung erfolgt

wöchentlich bis die

Kräuter ausgehen ;)

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