Schon gekostet?

03.01.2013, gepostet von Ute,
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Bereits zu Weihnachten, spätestens aber zu Neujahr erwerben zehntausende, möglicherweise sogar hunderttausende, auf jeden Fall aber sehr viele Österreicherinnen und Österreicher kleine Blumentöpfe. Es gibt sie an Tankstellen und in Baumärkten, in Greißlerläden und Blumengeschäften, man könnte zusammenfassend sagen, es gibt sie zu diesem Zeitpunkt des Jahres so gut wie überall. Nicht nur hierzulande, versteht sich, sondern überall auf der Welt. Ungeheure Massen müssen das sein. In besagten, gewöhnlich klitzekleinen Töpfen befinden sich vierblättrige Kleegewächse. Kolleginnen und Freunde, Brüder und Schwestern werden mit dieser entzückenden - und gottlob sehr preiswerten Gabe beglückt, auf dass das alte Kleeblattsymbol des Glückes vom Heute ins Morgen und in die Zukunft hinüberwachse. Sozusagen.

Oftmals sind diese Glückskleearrangements zusätzlich mit Plastikfliegenpilzen gespickt oder mit Miniaturhufeisen oder gleich beidem. Auch lehnen gelegentlich filigrane Rauchfangkehrer irgendwo herum. Sicher ist sicher. Das Glück - es muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln beschworen werden, weil Verlass ist ja schier auf gar nichts mehr in dieser Welt. Wobei der käufliche Klee eigentlich nicht gilt. Der ist immer vierblättrig, weil das ist seine Natur. Als er in den 70er-Jahren erstmals kommerziell in breiterer Front vertrieben wurde, hat man seitens der Bevölkerung allen Ernstes überlegt, ob er mit radioaktiven oder sonst wie abartigen Strahlungen behandelt worden wäre. Das ist natürlich komplett daneben, denn es handelt sich um einen Oxalis tetraphylla oder Oxalis deppei genannten und in Mexiko beheimateten und von Natur aus vierblättrigen Sauerklee.

Die echten Glückskleeblätter treibt aber der Weißklee - und die entstehen aus unerfindlichen Gründen und mit einer etwa 1:10.000 angenommenen Wahrscheinlichkeit. Das Glückskleeblatt kriegt derjenige, der gebeugten Rückens einiges an Sucharbeit leistet, und nicht derjenige, der das Geldbörsel vor Silvester zückt. Hach, welch philosophische Analogien dürften gezogen werden, so man wollte. Man kann aber auch auf die Gesetze der Waren-Marktwirtschaft verweisen, deren Grundlage die Knappheit ist. Der Glücksklee ist somit ein typisches Merkmal einer Gesellschaft, die sich bereitwillig und unter Einsatz von Zahlungsmitteln sehr gern betrügen lässt. Das, was tatsächlich knapp und wahrscheinlich nicht zuletzt gerade deshalb begehrt ist, wird zigfach billig hergestellt und als Fake verhökert.

Wie auch immer: Der Glücksklee selbst ist eine reizende Pflanze, die es nicht verdient hat, gleich nach Jahreswechsel das Zeitliche zu segnen. Nur weil sich Millionen nicht auskennen mit ihm. Folgendermaßen ist er also zu behandeln: Er will auf  keinen Fall in die pralle Sonne gestellt werden sondern halbschattig und kühl. Nasse Erde verabscheut er, es reicht, wenn er leicht feucht gehalten wird. So wie die anderen Sauerkleevertreter auch hat der Glücksklee im Winter eigentlich seine Ruhephase. Aus der wird er durch Vorspiegelung falscher Witterungen und Klimabedingungen ab Mitte Oktober hervorgelockt, damit Sie ihn zu Silvester kaufen oder geschenkt bekommen können. Bei guter Pflege wird der Sauerklee uralt, und die beginnt zuallererst damit, dass Sie dem armen Kerl unverzüglich einen Blumentopf spendieren, der allein kraft seiner Dimension diesen Namen verdient. Weil austrocknen mag er gar nicht, der Klee. Seine Blätter schmecken super, aber ganz abgrasen sollte man ihn nicht: Oxalsäure ist in hoher Dosis giftig. Aber so hin und wieder ein Blättchen gekaut schadet nicht. Zum Alter: Mir persönlich ist einer bekannt, der von der Großmutter einer Großmutter stammt, also sicher über 100 und vitaler ist als wir alle miteinander, der Glückliche.


Die verschiedenen Sauerkleearten - es gibt an die 800 - sind prachtvoll, auch wenn sie mit Ausnahme des besagten Oxalis tetraphylla alle nur dreiblättrig sind. Es gibt sie in Dunkellila, Rosa, Grün, panaschiert - es ist ein wahres Vergnügen. Man kann sie im Topf halten oder sommers in den Garten setzen. Sie überwintern entweder als ausgebuddelte Zwiebeln, die entsprechend gelagert werden müssen, oder im Topf drinnen. Auf jeden Fall kühl stellen und nicht übermäßig gießen. Vermehrung durch Teilung ganz einfach. Wer die Möglichkeit hat, stellt den Klee den Sommer über hinaus ins Freie.