Rot-Schwarz

10.05.2013,
  • /
  • schreibt

 

Vor einiger Zeit war ich an der Projektgenese eines feinen Kunstprojektes beteiligt. Es wurde für die einzige Schule Österreichs erarbeitet, die sich mit der Forstwirtschaft und allen dazugehörigen Facetten befasst. Besagte Forstschule befindet sich in der waldreichen Steiermark, und zwar in Bruck an der Mur. Dort lernen Oberstufler alles über Hege und Pflege der grünen Lungen, in denen wir dann spazieren gehen und Schwammerl suchen können. Das Kunstprojekt war für das Schulgebäude und die Schüler und Schülerinnen gedacht und wurde in Form eines kleinen Wettbewerbs vergeben.

 

Denn wenn sich öffentliche Institutionen wie das Innenministerium offenbar der freihändigen Vergabe von Aufträgen in großzügiger Manier bedienen, was übrigens ab einem Auftragswert von 100.000 Euro im Bereich des Kriminellen angesiedelt ist, so veranstalten andere immer noch Wettbewerbe und andere anständige, möglichst gerechte Vergabeverfahren. Es stand also das allumfassende Thema Wald und Forst zur Bearbeitung. Als die Wettbewerbsjury eines der Projekte in die engere Wahl nahm, weil es mit wunderschönen, eigenartig geometrischen Mustern arbeitete, die später den Schulhof zieren sollten, wurde der freundliche und mitjurierende Direktor der Forstschule plötzlich auffallen still und in sich gekehrt. Als man ihn fragte, wie er zum Projekt stünde, meinte er, dass auch er die Idee einer Musterung des Hofes wunderbar fände, jedoch mit eben diesem Ornament ein echtes Problem hätte. Denn es wurden die Fressgänge der Borkenkäferlarven im Holz gezeigt, und die, so der Direktor, seien genau jene Feinde des Waldes, die mit großem Aufwand zu bekämpfen man unter anderem an seiner Schule lehre.