Die Metamorphose der Tomate

03.11.2012,
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Die Genealogie der in meinem Besitz befindlichen Essigmutter lässt sich nachweislich bis zu meiner Großmutter zurückverfolgen. Fast sicher hatte sie die gallertige Substanz,  die man zur Essiggewinnung braucht, ihrerseits irgendwann von der Uroma übernommen. Was davor war, wird etwas spekulativ. Doch fest steht, dass die Frauen der Familie fast ein Jahrhundert lang wie nebenbei gut auf diese braven Essigbakterien aufgepasst haben. Die kann man nämlich mit den falschen Temperaturen und schlechter Nahrung relativ leicht ums Eck bringen. Das ist zum Glück auch heuer wieder nicht passiert, ganz im Gegenteil.

Die eigene Essigmutter hatte bis dato immer nur zwei Zutaten zu futtern bekommen: Wein oder Apfelmost, letzteren ebenfalls aus eigener Produktion. Beides ergibt auch ziemlich gute Essige. Doch auch einmal den eigenen Gemüsegarten anzuzapfen und das, was darin wächst, in mehreren Prozessen umzuwandeln und schließlich über Salate, Käse und in Saucen träufeln zu können, befriedigt sehr. Für mindestens ein solches leicht irres Projekt pro Jahr soll Zeit sein. Wo bleibt sonst der Spaß?

Erschienen in der Presse