Alles Holler

01.06.2017,
  • /
  • erntet

Der schwarze Holunder ist eine der wunderbarsten Pflanzen überhaupt. Er geht praktisch von selbst so gut wie überall auf, wo Vögelein in flüchtigem Verweilen oder vielleicht sogar im Flug verdaute Hollerkerne hintanlassen. Mitunter wuchert er auch mit einer an Lästigkeit grenzenden Selbstverständlichkeit an Stellen, die man eigentlich lieber weitestgehend holunderfrei sähe, und er wächst mit einer Geschwindigkeit, die den Atem raubt. Kaum abgeschnitten, ist er schon wieder ein paar Meter hoch. Er schaut, was ja auch nie ein Fehler ist, eigentlich recht hübsch aus.


Und: Er ist von der Wurzel bis zur Blüte genieß- und verwertbar. Man kann im Frühling seine Blüten, im Herbst die verbleibenden Beeren essen, und aus seiner Rinde und den Früchten lassen sich für die Industrien wichtige schwarze, blaue und rote Farbstoffe destillieren. Außerdem, so sagen die, die sich auskennen, ist der Holler von unglaublich vielen gesunden Stoffen durchpulst - von Vitaminen und Radikalenfängern und so weiter, eine echte Heilpflanze eben.


Wahrscheinlich wird der Holler deshalb seit Jahrtausenden verehrt und als von Göttinnen bewohnt erachtet. Von Freya, der Schönen etwa, oder Holda, der Guten, die von den Grimm'schen Brüdern später ziemlich unverfroren zur Frau Holle umstilisiert wurde. Apropos: Auch der Holler ist Verwandlungen unterworfen. Der Mensch will das so. Er will die Dinge veredeln und verbessern. Diverse Veredeler in den USA, in Dänemark und am Österreichischen Bundesamt für Wein- und Obstbau haben dafür gesorgt, dass aus den unterschiedlichen natürlichen Holundervorkommnissen im Laufe weniger Jahrzehnte diverse Sorten entstanden, die deutlich unterschiedliche Charaktere aufweisen.


Die einen sind etwas kräftiger in der Säure und deswegen zum Säftemachen geeigneter. Die anderen sind wieder farbintensiver, die nächsten haben besonders große Dolden, und wieder andere reifen früher und fallen keinen Frösten zum Opfer. Die international derzeit gängigste und beliebteste Sorte ist die österreichische "Haschberg", die es seit 1965 gibt. Die meisten kommerziellen Holunderplantagen werden mit dieser Sorte angelegt, und die werden immer mehr, weil der Holler vor allem als Saft immer beliebter wird.